Die Urasenke-Teeschule

Urasenke in Kyoto

Die Urasenke (ura = hinten, Sen = Familienname, ke = Haus bzw. Familie) in Kyoto ist eine der großen alten Schulen für den Teeweg in Kyoto. Sie geht zurück auf Sen Sôeki oder, wie er posthum mit Ehrennamen genannt wurde, Sen no Rikyu. Der jetzige Iemoto (das Oberhaupt der Familie), Dr. Sen Sôshitsu ist Nachkomme Rikyus in der 16. Generation.

Entstehung der drei Sen-Schulen des Teeweges
Aus ungeklärten Gründen, vermutlich wegen politischer Intrigen, mußte Rikyu Seppuku begehen. Zuvor brachte er seinen Enkel Sen Sôtan in das nahegelegene Zen-Kloster Daitoku-ji, wo Sôtan viele Jahre lebte. Aus dieser Zen-Erfahrung heraus erneuerte er die Teekunst im Stile Rikyus und verband sie eng mit dem Zen. (Cha Zen ichi mi = Tee und Zen: ein Geschmack). Durch sein langes Zen-Training geschult, bewahrte er Rikyus wabi-cha, den Tee der Einfachheit, ohne Kompromisse mit dem neuen daimyô Teestil einzugehen. Seine drei Söhne Sôshu (1593 - 1675), Sôsa (1613 - 1672) und Sensô Sôshitstu (1622 - 1697) begründeten die noch heute wichtigsten Schulen des Teeweges. Als Sôtan 70 Jahre alt war, übergab er Sôsa den vorderen Teil des Familiengrundstückes: Dort begründete Sôsa die OMOTOSENKE, das "vordere Sen Haus". Sôtan zog sich zusammen mit seinem jüngsten Sohn Sensô auf den hinteren Grundstücksteil, die URASENKE zurück. Sôshu übernahm ein weiteres Grundstück von seinem Vater und begründete die MUSHANOKOJISENKE (das Sen-Haus an der Mushakojistrasse).

Urasenke heute
Nach der Erfahrung des 2. Weltkrieges begann Tantansai (14. Generation) ein Werk des Friedens in der ganzen Welt. Er stiftete Teehäuser, und Teelehrer der Urasenke begannen, vor allem in Amerika, den Teeweg im Stile der Urasenke zu vermitteln. Dieses Werk wurde konsequent von Sôshitsu Sen XV fortgesetzt. Überall auf der Welt findet man inzwischen Teehäuser oder Teelehrer der Urasenke. Um das Wissen über den Teeweg außerhalb Japans zu fördern, unterstützt Dr. Sen eine englischsprachige Zeitschrift: "Chanoyu quarterly", in der die verschiedensten Aspekte zur Kunst, Geschichte oder Philosophie des Teeweges behandelt werden.

Dr. Sen hat durch eine großzügige Stiftung ausländischen Teeschülern ermöglicht, in einem eigens gegründetem Zweig der Schule, dem midorikai, den Teeweg intensiv zu studieren. Viele der midorikai-Absolventen sind in ihre Heimatländer zurückgekehrt und wirken dort als Teelehrer.

Viele Studiengruppen, die sich der Übung des Teeweges verschrieben haben, wurden auch ohne Anleitung von berufsmäßigen Teelehrern gegründet. Ehemalige Midorikai-Schüler oder langjährige Teeschüler leiten dort die Übungsgruppen. Der Kontakt mit den ausländischen Zweigstellen der Urasenke wird über ein eigenes Büro der Urasenke in Kyoto koordiniert und gepflegt.

Der URASENKE - KYOKAI München
Die Urasenke Kyokai München ist eine solche Studiengruppe. Der rege Austausch und die authentische Bewahrung der Tradition sind durch den monatlichen Besuch des offiziellen Repräsentanten der Urasenke in Deutschland, Gyôtei Sôshin Makoto Kuramoto, sowie durch Studienaufenthalte von Kyokai-Mitgliedern in Kyoto gewährleistet.

Die Gruppe besteht überwiegend aus deutschen Mitgliedern, aber auch eine ganze Reihe von Japanern und Japanerinnen gehört zu den aktiven Mitgliedern und Teestudenten. Neben den regelmäßigen Übungsgruppen pflegt und unterhält der Verein das Teehaus Kan Sho An und führt in den Sommermonaten zahlreiche öffentliche Präsentationen durch. Der Besuch einer Übungsstunde durch Nicht-Mitglieder ist nur für Neumitglieds-Kandidaten nach Absprache mit dem Vorstand vorgesehen.